Identitätenpreis 2008

Der Identitätenpreis 2008 wurde auf der Tagung vom 9. – 11. Mai 2008 in Würzburg verliehen.

Identitäten – ‚Ich bin – Ihr seid’,
Gefährliche Selbst- und Fremdbilder und ihre Wandlung zu kollektiver Intelligenz
in der Reihe „Konfliktfelder – Wissende Felder“ mit folgendem Wortlaut ausgeschrieben:

Der Identitätenpreis 2008 von 1.000,00 Euro wird für ein Projekt vergeben, das

  • als ein Ergebnis der Tagung und ihrer Inhalte entstanden ist,
  • die Tagungsthemen „Identitäten“ und „kollektive Intelligenz“ zum Inhalte hat und
  • der Förderung der Verständigung zwischen verschiedenen Gruppen dient;
  • Einsichten und Handlungen betrifft, die von praktischer Bedeutung für die Lebensumstände der Betroffenen sind.

Die Entscheidung über die Preisvergabe wurde im November 2008 durch das sechsköpfige Organisationsteam der Identitäten-Tagung 2008 getroffen.

Der Identitätenpreis 2008 geht an Herrn David Schubert für sein Projekt:

Mentorenblog.de – Lass die Alten sprechen

David Schubert über sein Projekt: „Mentorenblog hat das Ziel, einen Generationendialog anzustoßen. Die älteren Gesprächspartner (Mentoren) geben ihr Wissen über existenzielle Lebensfragen weiter, für die Jungen wird dieses Wissen als Ressource nutzbar. Die Gespräche werden gefilmt und auf YouTube und einer eigenen Website zugänglich gemacht.

Ich stelle allen Mentoren dieselben Fragen: nach der Wichtigkeit von Glauben und Liebe, nach Demut, Treue, Kunst und Kindern, frage sie, was sie vor 20 Jahren gern gewusst hätten und wie sie mit ihrer Sterblichkeit umgehen.

Wo es üblich ist, die Alten als gesellschaftliches Problem wahrzunehmen, nimmt der Mentorenblog die gegenläufige Perspektive ein: die Alten als Ressource von Wissen und Erfahrung, die gerade im schneller und komplexer werdenden Alltag relevanter werden. Wo Prozesse sich beschleunigen, ganze gesellschaftliche Strukturen sich transformieren, könnte es sich lohen, den Alten zuzuhören. Vielleicht, um nicht dieselben Fehler zu machen. Vielleicht, um etwas von der Gelassenheit zu übernehmen. Vielleicht, um von Menschen, die in ihrem Leben viel bewegt haben, zu erfahren, was man im Leben ändern kann und was nicht. Im Mentorenblog geben einerseits ausgewählte Aktivisten, Wissenschaftler, Religionsführer und Manager und anderseits ganz ‚normale’ Ältere ihr Wissen weiter an eine junge Generation. Sie reden über gute Beziehungen, den Wert von Glauben und Religion, den Weg zum guten Job. Die Antworten sind ungewohnt ehrlich, pragmatisch und direkt: Von Menschen, die vor dem Hintergrund ihrer Lebenserfahrung nichts mehr beweisen müssen und niemandem nach dem Mund reden müssen. Sie sprechen zu einer Generation, die zwar neuen Herausforderungen gegenübersteht, aber im Grunde dieselben Fragen hat. Mentorenblog ist entstanden in der Überzeugung, dass dieser Dialog Synergien erzeugen kann. Deshalb ist das Projekt nur ein Startpunkt: Der Beginn einer Sammlung von Antworten, die jeder mit Videos seiner eigenen Mentoren erweitern kann.

Dieses Projekt mit den ruhigen Videos und langen Einstellungen älterer Leute ausgerechnet in das Medium der Handyclipgeneration zu verorten, kann man unzeitgemäß finden. Wobei unzeitgemäß durchaus heißen kann, dass uns Zeitgemäßen etwas fehlt.

Ein Buchprojekt soll aus dem Mentorenblog hervorgehen.“

Zu David Schubert: Studium der Soziologie, Psychologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften in Heidelberg und Mannheim. Lebhaftes Interesse an der kreativen Überbrückung der Generationengrenzen, so daß „Alte“ mit ihren reichen Lebenserfahrungen zu Mentoren für die Jüngeren werden. Ebenso engagiert im Erkunden kollektiver Synergien in Gemeinschaften wie Ökodörfern oder Männergruppen. Arbeit u.a. als freier Journalist. „Ich begann, Leute aus der älteren Generation mit der Handykamera zu interviewen und sie zu fragen, was sie bisher über das Leben gelernt haben. Auf der Konferenz „Identitäten, Ich bin – Ihr seid“ wurde daraus das Konzept für mentorenblog.de.“

Die Preisverleihung findet am 28. April 2009 in Würzburg statt.